09.09.29, 17:24 | Harald Fidler
"Vom Sockel gerissen?"
Schon im Vorwort zu „Österreichs manischer Medienmacher“ (Styria Verlag, 269 Seiten, 24,95 Euro) muss Harald Fidler zwei Einschränkungen machen: „Intimsphäre“ Berührendes hätte er nicht verwendet (dennoch heißt das Schlusskapitel „Mensch Wolfgang: Fellner nackt“). Und: „Einige, die mit ihm gearbeitet haben, fanden eher zu mild, zu freundlich, was die Medienjuristen übrigließen.“ Dieses Kapitel würde ich gerne lesen. So wie ein Kapitel zu einem Stichwort, das sich zwar durch das ganze Buch zieht, aber nie wirklich greifbar wird: „Prozess“.
Als Harald Fidler 1969 geboren wurde, machte WoFe bereits seit drei Jahren in Salzburg den Rennbahn-Express. Fidler hat als Leser Anfang der 80er-Jahre bei Basta seinen ersten echten Fellner kennengelernt. Die finsteren 60er-Jahre – geistig, architektonisch und politisch sowieso –, das erste kleine Licht nach Kreiskys Wahlsieg, Farbfernsehen und Sonntags-Krone, Staberl als Superstar – das alles ist „History“ für den Autor, was dem ersten Part anzumerken ist. So bleiben die Jahre des – besser der beiden – jungen Fellner (denn wie wichtig Bruder Helmuth ist, arbeitet Fidler sehr genau heraus) leider buchstäblich im Dunkeln.
Dabei ist die konzise Beschreibung und akribische Recherche Fidlers ganz nah dran an der „Manie“: WoFe hat sich und seinen Journalismus selbst erfunden – oder einfach importiert (beides für die Zunft weitgehend uninteressant). Und: Der Mann ist seit 40 Jahren „sein eigener Chef“ – und wenn er es mal nicht war, war er ganz schnell wieder weg.
Was Fidler schafft: ein Stück (Medien-)Kulturgeschichte für den gelernten Österreicher verständlich und sehr g’schmackig aufzubereiten. Chapeau dazu – und: absolut lesenswert! hs
Horizont, 25. September 2009
