09.09.19, 23:27 | Harald Fidler
Der Fidler und der Fellner - ein seltsames Paar
Da haben sich zwei gefunden. Der “Standard”-Medienjournalist Harald Fidler hat eine ziemlich üppige Biographie über Wolfgang Fellner geschrieben. Keine autorisierte, dafür – wie bei Fidler üblich – gut recherchiert. Das im “Styria”-Verlag dieser Tage erscheinende Buch hat den Titel “Österreichs manischer Medienmacher”. Wolfgang Fellner hält von dem Werk reichlich wenig. In einem Interview mit dem Branchen-Magazin “Journalist” stapelt er in eigener Person ausnahmsweise tief: “Wen soll das interessieren?”
Für die Branche ist Fidlers Buch freilich nicht uninteressant. Denn er ist ein Trüffelschwein und hat zum Beispiel in der Nationalbibliothek das erste Inserat von Fellner rausgeholt, das dessen kongenialer Bruder Helmuth beim Friseur gekeilt hat.
In Handschrift war zu lesen: “Für ihre Schönheit im September empfiehlt sich Frisiersalon Iris”. So begann der Fellnerismus, der in Fidlers Werk mit einem Kinderklassiker präzise beschrieben wird – mit Pippi Langstrumpf: “Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt und drei macht neune, ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.”
Das Buch hat ein bisserl Längen, ist aber eine luzide Beschreibung der nach Hans Dichand wichtigsten Medienpersönlichkeit des Landes. Das fängt schon mit Fidlers Intro an: Wolfgang Fellner, Kürzel WoFe, denkt sich seine Welt positiv. Und die Welt muss sich danach richten. “Ein prinzipieller Misserfolg kommt in meiner Lebensplanung nicht vor”, erklärt Fellner. Mal schauen, wie es mit “Österreich” weitergeht. Zuletzt baute er Personal ab, der Umfang des Blattes ist merklich geschrumpft. Fidlers Buch bietet gute Einblicke in Österreichs Medien-Camarilla. Es gibt köstliche Passagen zum Schieflachen.
Er zeichnet – wie im Titel angesprochen – das Bild eines manischen Medienmachers. Das ist Wolfgang Fellner zweifellos; das kann jeder bestätigen, der auch nur einen Tag mit ihm zu tun hatte. Fellner hält sich natürlich nicht für manisch. Ganz im Gegenteil. Bei aller Fernzerei ist die Biographie extrem sachlich. Fellner fühlt sich wohl nicht getroffen. Fellner-Kenner werden aber wohl meinen, dass das Porträt ihn ganz gut trifft.
Freddie Kräftner, Wiener Zeitung, 18. September 2009
